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Funktion


 
Die Funktions-Systematik der Sequels:   

[Titel] [Integriert] [Effekt] [Clip] [Zeichentrick]

[Einführung] [Genre] [Monumental] [CI/Marke] [Raum/Zeit]

 
1. Titel-Sequel

Der Titel-Trailer, wie wir ihn aus der Stummfilmzeit kennen, hat in Bezug auf den Film keine eigene narrative oder symbolische Funktion. Er erfüllt seinen Zweck indem er über die Mitwirkenden vor und hinter der Kamera informiert. Die Titel bestanden häufig lediglich aus Schrift auf neutralem Hintergrund, meist weiße Typo auf schwarzem Grund.
Der Vorspann war bei allen Genres gleich, es fehlten zumindest eigene, charakteristische Ausprägungen. Erst mit Einführung des Tonfilmes erweiterte sich die Dimension des Vorspanns um eine weitere Ebene. Mit dem musikalischem Code konnte der Film schon im Vorspann eine Genre-Identität entwickeln und so etwas wie eine filmspezifische Atmosphäre gestalten. Heute in dieser Form als "simpler" Vorspann nur noch selten verwendet, kann er dennoch bewußt eingesetzt werden um beispielsweise an diese frühe Ära des Kinos zu erinnern: z.B. in Woody Allens "Radio Days" (USA 1987), eine Hommage an die Zeit des Radios in den 40er Jahren.
Mit zunehmender Entwicklung der Filmsprache wurde auch der Vorspann mit in die Gestaltung einbezogen. Grafische Hintergründe und Standbilder, sowie filmische Einführungen, wurden entwickelt.
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2. Integrierter Sequel

Als Schrift in den begonnen Film eingeblendet besitzt diese Art des Vorspanns wie der Titel-Sequel keine weitere Funktion als die der Informationsvermittlung. Es gibt hier keine Trennung mehr zwischen Vorspann und Film. Filmsprachliche Elemente fehlen, allein die Musik oder O-Töne können hier funktionale Ebenen darstellen. Oft eine dem Geschmack der Zeit entsprechende Typo.
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3. Effekt-Sequel

Der Effekt-Sequel, oft in Form von 3-dimensionaler, im Computer generierter und animierter Schrift, wird häufig im Science-Fiction, Fantasy oder Horrorfilm Genre eingesetzt. Diese Variante wurde mit der Trilogie "Star Wars" populär, die tricktechnisch, nach Kubricks "2001 - Odysee im Weltraum" von 1967, Maßstäbe setzte.

Erst durch die Entwicklung und der Möglichkeiten der Computeranimation wurden diese Effekte möglich und bezahlbar. Diese Art des Vorspanns wirkt sehr oft monumental und technisch. Hier wird in der Wirkung auf den Betrachter ganz auf die computergenerierten Effekte gesetzt. Oft in Verbindung mit entsprechender Musik, wird hier schon im Vorspann die für diese Filme typische "hi-tech" Atmosphäre aufgebaut.

Beispiele: "Superman I" (USA 1976), "Total Recall" (USA 1990), "Terminator II" (USA1991).
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4. Clip-Sequel

Diese Art des Vorspanns ist eng mit dem Musik-Clip Genre verwandt, der Anfang der 80er Jahre populär wurde. Filmsprachlich haben sie die selben Charakteristika: schnelle Schnitte, der Rythmus der Montage folgt dem der Musik, dynamischer Bildaufbau, bewegte Kamera (Handkamera oder Kamerafahrten), digital oder analog nachbearbeitetes Material - oft durch Spezial-Effekte verfremdet. Ein gutes Beispiel dafür ist der Vorpann zu David Finchers "Sieben" (USA 1995), der nicht nur Videoclip-Charakter hat, sondern sich auch typografisch an das zu der Zeit populäre Grafik-Design des David Carson anlehnt. Der Regisseur David Fincher kommt ursprünglich aus der Musik-Clip-Szene und produzierte z.B. Videos für Madonna.
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5. Zeichentrick-Sequel

Der durch Zeichentrick animierte Sequel wurde häufig in den Hollywood-Filmen der 60er Jahren verwendet - z.B. "In 80 Tagen um die Welt" (USA 1956) - vorwiegend in Komödien oder Musicals. Der wohl bekannteste Zeichentrick-Opener stammt aus der "Inspektor Clouseau"-Reihe mit Peter Sellers: "Der rosarote Panther". Dieser Vorspann führte dann später zu einer eigenständigen Zeichentrickserie.
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6. Einführungs-Sequel

Oft durch Kamerafahrten formal gelöste Einführung an den Handlungsort oder auch zur Einführung der Handlungsträger oder eines Ereignisses. Beispielsweise in "Shining" (USA `79) oder "León der Profi" (F. `95). In "León" sehen wir eine Kamerafahrt aus der Vogelperspektive vom Centralpark in New York bis zu einem Tisch in einem italienischen Restaurant an dem der Haupdarsteller sitzt. Der Zuschauer wird nicht nur relativ einfach an den Ort der Handlung geführt, sondern der Zuschauer wird aus der Annonymität der Großstadt (Blick auf die Skyline) in den Mikrokosmos der Stadt (italienisches Viertel) geleitet, bis zum Tisch des Restaurants. Dieser Blick von außen nach innen macht aus dem Zuschauer (Voyeur) einen "Mitwisser". Wie zufällig belauscht er das Gespräch am Tisch und wird vom außenstehenden zum beteiligten. Hitchcock hat diesen Effekt schon 1962 in der Eröffnungssequenz von Psycho benutzt: aus dem Häusermeer einer amerikanischen Stadt sucht sich der Fokus des Kameraobjektives, wie zufällig, ein einzelnes Fenster heraus. Im Hotelzimmer wird der Zuschauer nun "Zeuge" eines Gespräches.
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7.Genre-Sequel

Genre-Filme benutzen bestimmte Stereotypen, Klischees oder Synekdochen in Bild, Musik und Typografie: z. B. bei Western-, Liebes- und Action-Filmen. Diese verstärken und unterstützen die Genre-Zugehörigkeit. Dies kann, wie im Fall der James Bond-Filme, bis in den Bereich der Parodie gehen.
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8. Monumental-Sequel

Aufwendig gestaltete Trailer, die wie im Beipiel des Filmes "Superman" bis zu 10 Min. dauern können. Sie dienen der Betonung der Monumentalität des Filmes (z. B. "Star Wars", "Total Recall" oder "Batman"). Das zur Entstehungzeit des Filmes technisch Machbare, wird bei dieser Art des Vorspanns vorgeführt. Es dient u.a. der Zurschaustellung des (trick-)technischen Niveaus, den der Film für sich beanspruchen soll. Der Opener wird von der (computer-)technischen Umsetzung diktiert, er ist separiert vom Konzept des Filmes. Schon kurze Zeit später wirkt er antiquiert und dient dann lediglich einer technisch-historischen Betrachtung der Entstehungszeit des Filmes.
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9. CI/Marken-Sequels

Serien und Nachfolgefilme entwickeln ihr Markenzeichen durch den Vorspann, z.B. durch ein musikalisches Thema, einer Typo oder tricktechnischen bzw. filmsprachlichen Umsetzungen (Kamerafahrten, -blickwinkel, -focus, Licht, etc).
Besonders bei "Serials" wie z.B. "Der Pate I. - III.", "Der weiße Hai I. - III.", "Alien I - IV" und den James Bond Folgen zu beobachten. Hier kann der Titel-Designer den Wiedererkennungswert vorheriger Filme einsetzen und nutzen. Der Sequel wird den aktuellen gestalterischen Gegebenheiten angepaßt, das Grundthema bleibt unangetastet. Das Konzept geht entweder in einer Neuinterpretation des alten Sequel auf oder es wird lediglich (technisch) Erneuert.
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10. Raum-Zeit-Sequels

Diese Openern werden dazu genutzt, in einer Rückblende das vergangene Geschehen darzustellen - oder zukünftiges vorwegzunehmen. Z.B. im Film "Pulp-Fiction" (USA 1994) wird die Handlung des Mittelteils im Vorspann vorweggenommen. Diese Sequels sind integrativer Bestandteil des Filmes, oft fließen die (vorgeschriebenen) Credits und der Filmtitel erst einige Minuten nach Beginn der Handlung in den Film ein und trennen die zeitlichen Ebenen voneinander.
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© by Michael Henning, Köln. www.designplus.de